Grundschule Göggingen

Schule - Schulgeschichte

Aus der Geschichte des Gögginger Schulwesens

Kirche und Schule

Um Schule und Unterricht stand es vor dem 16. Jahrhundert in unseren Landen nicht gut. Die Dorfschaften ringsum waren darauf angewiesen, dass der jeweilige Pfarrer wenigstens eine Sonntags-Christenlehre hielt, um so seine Pfarrkinder zu unterweisen in Glauben, Gottesfurcht und christlichem Sittengesetz. Die ganze geistige Ausbildung des Volkes lag ja anfänglich überhaupt nur bei der Kirche. Erst der Konstanzer Bischof Marx Sittich v. Hohenems befahl im Jahre 1567 die Anstellung von richtigen Lehrern und Erziehern in den Pfarr- und Dorfschulen.

Die Gemeinde Göggingen nahm es mit dieser bischöflichen Anregung anfänglich wohl nicht so ernst, denn erst im Sommer des Jahres 1608 ist erstmals die Rede von einer regelrechten Dorfschule, in welcher mit dem ledigen Lehrer Ulrich Ritzinger eine ständige Schulmeisterstelle geschaffen wurde.

Richtiger Schulzwang entstand erst im Jahre 1658, als beim Jahrgericht in der Oberamtsstadt Meßkirch, jedem Flecken die Anstellung eines Lehrers auferlegt wurde. Doch in Göggingen stieß dieser Schulzwang auf Widerspruch, zumal die Kinder neben einem Scheitle Holz auch noch Schulgeld mitzubringen hatten.

Dorfschulmeister

Anstellung und Entlohnung waren in den Dörfern zunächst immer noch Sache der Kirche. Oft bedeutete es für den Lehrer daher eine große Sicherheit, wenn er zu seinem Schulmeisteramt auch noch den Dienst des Meßners mitverliehen bekam, zumal dieser besser entlohnt wurde als das Schulhalten.

Im Verlauf der Entwicklung wurden Anstellung und Entlassung des Lehrers dann ganz nur noch Sache der weltlichen Behörde, die bei ihrer Wahl gerne Leute aus dem eigenen Dorf mit dem Amt des Schulmeisters betrauten. Das hatte meist den Vorteil, dass man dann in der Wohnung des ortsansässigen Schulmeisters auch schon die notwendige Schulstube hatte, wie es in Göggingen durch Jahrhunderte der Fall war.

Besonders bildungsbeflissen scheinen die Gögginger in früheren Jahren allerdings nicht gewesen zu sein. Denn immer wieder war bei den jährlichen Ruggerichten in Meßkirch entweder die Rede von tadeligen und saumseligen Lehrern oder halsstarrigen Göggingern, die ihre Kinder nicht in die Schule schickten, weil sie diese bereits zum Spinnen verwenden konnten. Die armen Leute waren eben auf jeden Nebenverdienst angewiesen.

Auch die wirtschaftliche Lage der damaligen Lehrer war nicht zum besten bestellt. Und so ist es nicht verwunderlich, wenn der Lehrer neben seinem Amt als Schulmeister und Meßner auch noch Salzhändler, Strumpfstricker oder Kramer war. Zur damaligen Zeit gab es weder kirchliche noch staatliche Ausbildungsstätten für Lehrer der Volksschulen. Die Vorbildung der Lehrer geschah meist dadurch, dass der vorhandene Lehrer einen begabten Buben - oft war es der eigene Sohn - bei sich in die Lehre nahm.

Das größte Elend der damaligen Schulen war der dauernde Wechsel der Schulmeister, weil der Mann entweder nichts taugte oder das armselige Gehalt zum Leben nicht reichte und er von der Gemeinde ja nur für den Winter angestellt wurde.

Schulpflicht

Erst ab dem 8. März 1784 erfolgte im ganzen Fürstentum Fürstenberg eine grundlegende Umgestaltung des gesamten Schulwesens. Von jetzt an sollte in den Städten und Amtsorten das ganze Jahr über Schulunterricht stattfinden. Auf dem Lande, wo sich dies noch nicht vollends durchführen ließ, sollte wenigstens von November bis zum 1. Mai die ganze Woche hindurch Schule gehalten werden. Die übrige Zeit aber musste alle Sonn- und Feiertage wenigstens zwei Stunden Unterricht sein. Damit war die allgemeine Schulpflicht eingeführt.

Erster Schulhausbau

Trotz der allgemeinen Schulpflicht blieb in Göggingen das Problem der Schulraumnot. Im Gegensatz zu manch umliegender Gemeinde konnte Göggingen zum damaligen Zeitpunkt aus eigener Kraft kein Schulhaus bauen. Die Gemeindeväter schlossen deshalb mit dem Wirt Anton Jäger einen auf vorerst fünfzehn Jahre befristeten Mietvertrag, wonach in einer von der Wirtstube abgelegenen Stube Unterricht gehalten werden konnte.

Dieses Mietverhältnis dauerte allerdings bis in das Jahr 1825, denn erst durch Verfügung des Kreis-Direktoriums Konstanz wurde für Göggingen der Bau einer gemeindeeigenen Schule angeordnet, um der Schulraumnot endgültig abzuhelfen.

Zum damaligen Zeitpunkt zälte man inGöggingen 551 Seelen, wovon 125 Schulkinder waren. Der Zehentherr, der Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen, musste zum Bau der Schule die Hälfte seines Zehent-Ertrages beisteuern, was für die Gögginger eine große Entlastung bedeutete, zumal sie erst zwanzig Jahre vorher die Kirche neu gebaut hatten.

Die Ortsschulbehörde

Im Jahre 1850 beantragte die Gemeinde Göggingen bei der Großherzoglichen Badischen Regierung die Gründung eines Schul- bzw. Armenfonds, mit dessen Mitteln nicht nur teilweise das Lehrergehalt finanziert sondern auch bedürftige Kinder mit Schulheften und -büchern ausgestattet wurden.

Um 1900 zählte Göggingen 618 Einwohner und die Schule 140 Kinder, wobei die acht Schuljahre in vier Klassen aufgeteilt waren, die von einem Haupt- und einem Unterlehrer unterrichtet wurden. Die Ortsschulbehörde setzte sich bis in die dreißiger Jahre aus dem Bürgermeister, dem Ortspfarrer und sechs gewählten Beigeordneten zusammen. Neben der Verwaltung des Schulfonds hatte die Ortsschulbehörde vor allem die Festlegung der Ferien zu regeln, die sich in erster Linie nach den landwirtschaftlichen Bedürfnissen zu richten hatte. Je nach Witterung und Vegetationsstand hatten die Kinder im Juni meist zehn Tage Heuferien, im Juli / August zwei bis drei Wochen Ernteferien und im September / Oktober ca. vier Wochen Herbstferien.

In jährlichen Visitationen durch den Großherzoglichen Kreisschulrat wurde die Qualität der Schule festgestellt. Der nach wie vor große Einfluss der Kirche zeigte sich in den jährlich anberaumten Religionsprüfungen, während die Mädchen zusätzlich in der Prüfung für weibliche Hausarbeiten ihre Eignung zu Hausfrau und Mutter zu beweisen hatten.

Die neue Schule

Nachdem im Laufe der Zeit das alte Schulhaus weder der Schülerzahl noch den gängigen Anforderungen an eine moderne Schule entsprechen konnte, beschloss der Gemeinderat 1963 den Bau einer neuen Schule. Als die Pfarrei die erforderlichen Grundstücke an die Gemeinde abgetreten hatte und erhebliche Staatszuschüsse bewilligt waren, konnte dann nach zwei Jahren Bauzeit das stattliche Gebäude im Herbst 1965 seiner Bestimmung übergeben werden. Ein besonderer Schmuck des Hauses ist das große

Sgraffito des biblischen Sämanns am Südwestgiebel.

Quelle: Gustav Kempf, "Das Gögginger Dorfbuch"

Die Grundschule

Die Schulentwicklungspläne der Baden-Württembergischen Landesregierung in den 70er Jahren und die Gemeindereform hatten zur Folge, dass die Hauptschüler ab der fünften Klasse den Unterricht in Krauchenwies in der dortigen neu gebauten Hauptschule besuchen mussten, während die Gögginger Schule als einzügige Grundschule weitergeführt wurde und auch die Kinder aus dem Gemeindeteil Ablach aufnehmen konnte.